Seit 2011 ist Thomas Terbeck, genannt Biking Tom, mit dem Fahrrad unterwegs. Zusätzlich zu bloggen war nicht seine eigentliche Intention, sondern eher ein persönliches Tagebuch zu schreiben. Mittlerweile zählt seine Seite zu den erfolgreichsten Fahrradblogs in Deutschland. Wir sprachen mit Tom über seinen Erfolg und sein Engagement für das Fahrrad in seiner Heimat Essen.

Tom, du zeigst deine Aktivitäten gerne auf Strava. Für diese Woche steht da aber noch eine Null. Was ist los?

Mich hat eine schwere Grippe erwischt. Deshalb liege ich leider im Bett. Das ärgert mit, weil ich gerade voll im Training für Eschborn-Frankfurt bin. Aber lieber kuriere ich mich ordentlich aus, als etwas mit dem Herz zu riskieren.

Wie viele Kilometer schaffst du sonst so in der Woche?

Mein Ziel sind ungefähr 200 Kilometer pro Woche. Es kommt aber immer auf die Wochenenden an. Wir haben in der Nachbarschaft eine gute Trainingsgruppe gegründet, die sich am Wochenende spontan zu Trainingsrunden verabredet. Dann kommen schnell nochmal 50 bis 60 Kilometer extra zusammen.

Wie bist du überhaupt zum Fahrrad gekommen?

Ich habe knapp 25 Jahre Fußball gespielt, das war eine schöne Zeit. Aber irgendwann kam der Moment, wo die Luft raus war. Als Sportler kann man nicht einfach aufhören, man muss etwas machen. Ich habe deshalb ein altes Fahrrad aus dem Keller geholt und erste Runden in der Umgebung gedreht. Das war 2011. Die Touren wurden dann immer weiter und ich begann die Umgebung per Rad zu entdecken. Ich hätte nicht gedacht, dass ich hängenbleibe, aber es ist passiert.

Und warum bloggst du darüber?

Eigentlich war die Idee, für meinen Sohn und mich eine Art Tagebuch zu schreiben. Aber dann habe ich die Texte einfach mal veröffentlicht und es ging los. In meiner Rubrik Logbuch habe ich den Stil bis heute beibehalten. Da mache ich frei nach Schnauze meine Notizen. Keine großen Geschichten, sondern eher persönlich. Mein Grundsatz ist: Lass dich nicht verbiegen. Ich schreibe ehrlich und das wissen meine Leser zu schätzen. Das macht einen guten Blog aus. Wenn es Druck oder Vorgaben geben würde, würden es die Leser gleich durchschauen. Ich schreibe über die Sachen, die mich interessieren.

Was bedeutet Fahrradfahren für dich?

Anfangs war es ein bisschen bewegen und Sport treiben. Mittlerweile ist es absolute Leidenschaft. Das Themenfeld ist so immens groß und es gibt viel zu entdecken. Das gefällt mir. Z. B. dachte ich lange, dass Rennradfahren nichts für mich ist. Heute trainiere ich für Rennen und lese Bücher über die Geschichte und Rennvorbereitung. Ich mag dabei in erster Linie den sportlichen Ansatz und will meine Grenzen austesten. Gravel und Rennrad gefallen mir am meisten, da nehme ich auch an Rennen teil. E-Bikes habe ich etwas ausgeklammert. Übrigens musste ich im letzten Jahr bei einem Rennen in Italien ein Attest vorlegen. Bei der Kontrolle durch den Arzt hatte ich es Schwarz auf Weiß wie gesund Radfahren macht.

Du bist seit Gründung des TWC als Mitglied dabei. Welche Rolle spielt der TWC für dich?

Ich finde die Idee super, weil wir als Fahrradblogger noch eine Nische besetzen. Als Blogger war es zu Beginn des TWC schwer, Material und Resonanz der Industrie zu bekommen. Jetzt gibt es die Kontaktmöglichkeiten. Auch der Ehrenkodex ist super, denn das macht alles rund und ehrlich. Bloggen ist für mich ein Hobby, ich will damit kein Geld verdienen. Viele TWC-Mitglieder sehen das genauso. Ich kenne jetzt von unterschiedlichen Veranstaltungen schon viele Gesichter und wir sind immer im Austausch. Man hat immer irgendwie Kontakt. Das verbindet und ist einfach eine super Sache. Und auch der Kontakt zu den Firmen ist besser geworden: Firmenvertreter kommen mittlerweile auf mich zu und fragen nach Feedback zu gewissen Sachen.

Auf deiner Homepage ist der RS1, also der Radschnellweg durch das Ruhrgebiet, ein großes Thema. Was beschäftigt dich daran?

Das Thema ist einfach mit der Zeit gewachsen. Für mich ist der RS1 das perfekte Beispiel, das Auto abzugeben. Wenn er einmal fertig ist, habe ich auf meinem Arbeitsweg nichts mehr mit Verkehr zu tun, sondern fahre fast ausschließlich auf dem Radschnellweg. Durch die Fotos und Veröffentlichungen möchte ich einfach festhalten, was passiert. Die ständigen Entwicklungen sind immer ganz spannend zu sehen.

Warum ist es wichtig, dass sich Radfahrer politisch engagieren und auch untereinander vernetzen?

Das Schöne an meiner Heimatstadt Essen ist, dass die Radfahrer untereinander in Kontakt stehen. Es gibt WhatsApp-Gruppen, in denen sich die verschiedenen Fahrrad-Initiativen austauschen – auch Stadtpolitiker sind dabei. Ich bin zwar persönlich nicht beim Radentscheid Essen aktiv, aber bringe mich anderweitig mit ein. Im letzten Jahr konnte ich in der Firma, in der ich arbeite, erfolgreich die Zertifizierung als fahrradfreundlicher Arbeitgeber in Silber durch den ADFC abschließen. Jetzt darf ich auf Workshops hin und wieder Vorträge halten und erklären, was man dafür tun muss. Alle zertifizierten Firmen in Essen haben nun einen Arbeitskreis gegründet, dem ich als Vertreter meiner Firma angehöre. Auch andere große Firmen aus der Region, Vertreter der Stadt Essen und zum Beispiel einer Wohnungsbaugesellschaft stellen Mitglieder. Wir erarbeiten gerade die Agenda und wollen über das Gremium Einfluss auf die Radverkehrspolitik nehmen. Ein spannendes Thema.

Engagierst du dich noch in anderen Bereichen?

Ich bin Mitveranstalter der Radveranstaltung „Night of the 100 Miles“. Ich habe die Veranstaltung mit einem Freund gegründet und wir organisieren sie mittlerweile in der dritten Auflage. Es gibt keine offizielle Anmeldung bei den Städten und wir fahren in kleinen Gruppen, damit wir keine weiteren Kosten für Streckensperrung etc. haben. Das Fahren findet in der Nacht statt und endet mit einem gemeinsamen Frühstück bei Sonnenaufgang auf einer Halde. Bei der ersten Auflage kamen 150 Teilnehmer. Das ist ein Herzensevent. Es ist auch schön, dass der TWC-Supporter Paul Lange uns dabei unterstützt.