„Einfach mal machen“

Maren Schink, 32, wohnt in Heiligenhaus in der Nähe von Düsseldorf und bloggt seit 2014 auf www.ichhasselaufen.de

Wie bist du zum Radsport gekommen?
Ich hatte 2014 die fantastische Idee, mich bei einem Triathlon anzumelden und brauchte dafür noch ein Fahrrad. Es gab drei Möglichkeiten: entweder ich fahre auf meinem klapprigen Stadtrad, ich leihe mir eines bei Freunden oder ich kaufe mir eins. Es durfte aber nicht viel kosten. Ich habe mich dann für Letzteres entschieden und für 150 Euro bei eBay Kleinanzeigen einen 23 Jahre alten Stahlrenner gekauft, den ich „Gaby“ getauft habe.

Und wie war es dann beim Triathlon?
Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht, allerdings habe ich es mir ein bisschen einfacher vorgestellt. Ich war zu der Zeit drei Mal in der Woche beim Spinning und fand mich zumindest auf dem Rad ganz gut trainiert. Was ich allerdings nicht bedacht habe, war dass die Strecke des Ratinger Triathlons ziemlich hügelig ist. Es ist dann doch ein kleiner Unterschied, ob man an einem Widerstandsrädchen am stationären Bike dreht oder man tatsächlich bei einem Wettkampf den Berg hochfahren muss…

Wer deinen Blog kennt, weiß, dass du ziemlich umtriebig bist. Was machst du noch alles? Und was machst du am liebsten?
Ich habe lange hobbymäßig Wasserball gespielt, als Kind habe ich geturnt und bin schon mein Leben lang im Schwimmverein – was ich heute aber ziemlich langweilig finde. Nach der Schulzeit habe ich einige Jahre gar keinen Sport gemacht. Ich probiere heute gerne Neues aus und liebe Herausforderungen – das können andere Rad-Disziplinen wie Bahnrad oder Mountainbike sein, lange Läufe oder ganz andere Sportarten, in die ich kurz hinein schnuppere.  Am Liebsten fahre ich auf jeden Fall Rad.

Nehmen wir an, die Corona-Situation lässt alle Veranstaltungen zu. Was planst du für dieses Jahr?
Das habe ich noch nicht so genau überlegt. Es könnte passieren, dass ich die ein oder andere längere Geschichte mit dem Rad in Angriff nehme, im Rahmen einer Veranstaltung oder auch selbstgemacht. Ich würde auch gern mal reisemäßig länger unterwegs sein, also nicht nur drei Tage Bikepacking, sondern vielleicht zwei Wochen oder so. Wo ist mir eigentlich egal, ich habe keine Traumdestination und festgestellt, dass es auch in Deutschland schöne Ecken gibt, die man erkunden kann.

Du hast in deiner letzten Podcastfolge „Rapha #Festive500: Frostschutz, Motivation, Survival“ das Thema Menstruation und Zyklus beim Radfahren bzw. Sport angesprochen. Warum hast du dich dafür entschieden und ist dir das schwergefallen?
Tatsächlich war mir das vorher ein bisschen unangenehm, aber warum eigentlich? Das sollte es nicht sein. Und genau deshalb habe ich mich dafür entschieden, es anzusprechen. Ich habe dazu sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, die besten übrigens von Männern. Einer sagte, ihm sei durch den Beitrag noch einmal richtig bewusst geworden, dass Frauen möglicherweise eben noch andere Herausforderungen haben als die sportliche, die sie gerade bestreiten. Ein anderer meinte „Sprich mehr über Menstruation. Der männerdominierte Radsport hat das todsicher nicht auf dem Schirm, das muss normaler und bewusster werden.“ Ich habe auch das Gefühl, dass das Thema in der Sport- und Fahrradbubble gerade generell häufiger aufkommt, zum Beispiel was den Zusammenhang von Leistung, Training und Zyklus betrifft.

Vor Kurzem fragte eine Veranstalterin in einer Frauen-Rennradgruppe auf Facebook, was man tun könnte, um mehr Frauen zu motivieren, an Rennen oder Radsportverantstaltungen teilzunehmen. Es entspannte sich eine Riesendiskussion. Was ist deine Meinung dazu?
Ich habe mir dazu mal in einem Blogbeitrag Gedanken gemacht, der in die Aktion „Frauen im Sport“ von Hannah Brandner eingebettet war. Ein Punkt ist, dass auch bei kleineren Veranstaltungen mit wenigen Starterinnen die Frauen getrennt gewertet und auch geehrt werden sollten. Das habe ich leider schon anders erlebt.
Ich finde es wichtig, Frauen sichtbar zu machen. Wenn Vorbilder fehlen, ist es kein Wunder, wenn sich keine oder nur wenige Frauen für Events anmelden. Viele Jedermannrennen wie zum Beispiel Eschborn-Frankfurt oder der Münsterlandgiro sind mit Profirennen verbunden – Profirennen der Männer. Ich finde, es sollten auch Profirennen der Frauen stattfinden, und zwar nicht zu Zeiten, an denen keine Zuschauer:innen an der Strecke stehen.
Das Sichtbar-machen bedeutet auch Werbung mit Frauen zu machen, also beispielsweise bei einer Pressekonferenz mal eine Frau aus dem Jedermannfeld vorzustellen. Ich glaube, viele Frauen trauen sich auch nicht zu, Rennen zu fahren, was schade ist. Mit meinem Blog und in den sozialen Medien versuche ich deshalb weiterhin zu zeigen, was möglich ist, wenn man Dinge einfach macht und sich traut.


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Bildhinweis
Die Fotos stammen von Christian Siedler. Vielen Dank! Ein Besuch auf der Website des Düsseldorfer Sportfotografen lohnt sich!