„Da habe ich gewusst: Ich will auch mal mitfahren“

Lelia König, 26, wohnt in Jena und bloggt seit 2018 auf www.misslksunshine.com

Wie bist du zum Bloggen gekommen?
Ich bin voll der Fotoalbum-Mensch und halte gern alles fest, was ich mache. Und das habe ich dann mit meinen Fahrraderlebnissen auch gemacht. Ich habe gemerkt, dass es viel Anklang gefunden hat, dass und wie ich als Quereinsteigerin berichtet habe, was gut, aber eben auch nicht so gut läuft.

Was lief denn nicht so gut?
Als Beispiel fallen mir jetzt Reparaturen ein. Ich konnte gar nichts, und am Anfang musste Sandro, mein Freund, alles machen. Aber ich habe mir sehr viel selbst beigebracht und dabei auch Unterstützung bekommen, zum Beispiel von Sandros Vater. Inzwischen repariere ich eigentlich alles selbst und das klappt auch immer super. Meistens. Neulich wollte ich die Dichtmilch wechseln und dabei ist der Reifen explodiert. Man hat den Knall wahrscheinlich in der ganzen Nachbarschaft gehört. Ich habe drei Tage die Augen kaum aufgekriegt, weil meine Wimpern mit Dichtmilch verklebt waren.

Wie bist du zum Radsport gekommen?
Ganz klischeehaft durch meinen Freund; das war so 2016. Sandro kommt aus einer richtigen Radsportfamilie. Er ist ganz viel geradelt in dem Sommer und ich habe mir gedacht „Ach kommt, kauf dir ein billiges Rad, dann kannst du mal 20 Kilometer mitfahren“. Das war für mich relativ viel damals. Und genau das habe ich gemacht und war total euphorisch. Als ich ungefähr zwei Wochen gefahren bin, hat mein Kollege von der Sparkasse gesagt: „Weißt du, dass wir ein Radteam haben? In zwei Wochen ist Weltcup, da gibt es einen Hobby-Marathon, fahr doch mit. Die Sparkasse zahlt und du bekommst ein Trikot.“

Sandro meinte zu mir: „Nee, du wirst mich blamieren.“ Was auch durchaus richtig war 😉 .Damals klappte weder schalten, noch Biken abseits von Schotter und Waldwegen 😉 Trotzdem war ich natürlich erst recht motiviert, mitzufahren. Im Endeffekt war es ein bisschen wild, weil die anderen viel besser vorbereitet waren. Aber es hat mir voll Spaß gemacht! Und ich habe mir noch den Weltcup angeschaut und ich wusste: da will ich auch mal mitfahren.

Du bist mit dem Radfahren also all-in gegangen?
Ja. Ich fahre national, international bis Bundesliga, und ich habe es geschafft, die Weltcup-Quali zu holen. Darüber freue ich mich riesig! Ich bin in einem coolen Frauenteam, CIS-MTB-Racing. Unser Team hat sich in den letzten Jahren von einem Charity Team hin zu einem ambitionierten Frauenteam gewandelt. Unser Teamchef sitzt im Rollstuhl und coacht uns – wir sind fünf ambitionierte Mädels, und wir machen auch so relativ viel zusammen. Das macht immer sauviel Spaß.

Welche Sportarten magst du noch – außer MTB fahren?
Ich fahre auch sehr gerne Rennrad und Crossbike. Ich bin auch ein paar Rennen gefahren, aber leider habe ich derzeit keinen Crosser mehr. Außerdem liebe ich Ski fahren – Langlaufen ist voll mein Ding. Ansonsten, ganz normal, ein bisschen joggen, manchmal schwimmen gehen.

 

Was machst du, wenn du gerade mal nicht sportelst?
Dann arbeite ich meist. Sandro und ich haben gerade zusammen eine Firma gegründet. Wir entwickeln rechtssichere Daschcams für Radfahrten. Wir müssen gucken, dass wir am Wochenende dann auch wirklich einen Cut ziehen. Aber meist läuft es dann doch auf Sport hinaus.

Vor Kurzem fragte eine Veranstalterin in einer Frauen-Rennradgruppe auf Facebook, was man tun könnte, um mehr Frauen zu motivieren, an Rennen oder Radsportverantstaltungen teilzunehmen. Es entspannte sich eine Riesendiskussion. Was ist deine Meinung dazu?
Ich finde es total schade, dass nur wenige Frauen Rennen fahren. Ich glaube, dass viele extrem hohe Ansprüche an sich selber haben. Ich schaue vor einem Rennen manchmal die Startlisten durch und kontaktiere einige Frauen via Facebook oder Instagram. Das ist gleich ein viel besseres Gefühl, wenn man am Start dann mit jemandem quatschen und sich warm fahren kann. Das senkt vielleicht die Hemmschwelle.

Das C*-Wort mal außen vorgelassen, wie sehen deine Pläne für dieses Jahr aus?
Ich hoffe natürlich, dass der Weltcup in meiner Heimatstadt Albstadt stattfinden kann. Am wichtigsten ist mir: Spaß zu haben.

 

 

 

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