„Berge komme ich inzwischen besser hoch“

Carolyn Ott-Friesl, 32, wohnt in Oberaudorf/Bayern und bloggt seit 2014 auf www.ciclista.net

Seit wann fährst du Rennrad und wie hast du mit dem Bloggen angefangen?
Ich war 14 oder 15 und wollte Rennrad fahren, aber meine Mutter wollte mich nicht allein fahren lassen und hat deswegen bei einem Verein angerufen. Der Vorsitzende meinte dann ,Also das geht nicht, wir fahren ja immer 200 Kilometer – das ist nichts für Mädchen‘. Das war also erstmal nichts. Aber ich bin dann trotzdem gefahren und dabei immer tiefer in die Lizenzfahrerszene „reingerutscht“ –allerdings als Zuschauerin beziehungsweise, weil ich Fotos gemacht habe. Irgendwann kannten mich dann alle und haben mich immer mal wieder mitgenommen zu den Rennen. Ich habe außerdem Homepages gebaut, auf denen dann auch die Fotos, die ich gemacht habe, zum Download verfügbar waren. Dann habe ich nach dem Studium ein Volontariat bei einer Finanzzeitschrift gemacht, also mit dem Schreiben passte es dann auch bei mir. Und aus einem Konglomerat aus Vorgänger-Homepages ist dann irgendwann ciclista.net entstanden.

Du schreibst auch viel speziell zu Frauen und Radsport. Hattest du dieses Thema von Anfang an im Blick?
Nein. Zuerst habe ich habe nur über die Sachen geschrieben, auf die ich selber Lust hatte. Als 17-Jährige habe ich mal einen Text über das Sechstagerennen in Stuttgart geschrieben, darauf wurde der Hallensprecher aufmerksam und ich bekam einen Presseausweis. Ich fand das alles ziemlich cool und habe mich gefreut, dass die Texte auch Anklang gefunden haben. Am Anfang war es mehr so ein Mix aus Rennen und Sport – ich habe auch mal ein Kommentar zu den Olympischen Spielen geschrieben – und irgendwann verlagerte es sich auf Tipps und Einsteigerwissen. Ich habe dann schnell gemerkt, was gut funktioniert und was nicht. Außerdem war ich in Radsportzusammenhänge immer sehr viel mit Jungen und Männern unterwegs und habe mir erst spät Gedanken zu Strukturen gemacht, etwa was das Training betrifft.

Also zum Beispiel auch zum Thema „Zyklus und Training“, das jetzt erfreulicherweise von vielen Blogger:innen und Trainer:innen aufgegriffen wird?
Genau. Ich bin keine Hochleistungssportlerin und es geht mir nicht unbedingt darum, meine Leistungen auf ein neues Level zu heben. Aber seit ich mich damit beschäftige, finde ich es spannend, die Dinge an mir zu beobachten, die mir früher nicht aufgefallen sind. Beim Training gehören Puls -und Wattwerte zu festen Parametern. Der weibliche Zyklus ist ein weiterer Parameter.

Ich glaube dir ja nicht so ganz, wenn du sagst, du wärst keine Hochleistungssportlerin…
Vielleicht sieht es auf Instagram mehr aus (lacht). Nein, ich fahre vielleicht 5000 Kilometer pro Jahr, das schwankt sehr. Ich habe einfach Spaß daran, am Wochenende und am Feierabend meine Touren zu fahren. Wenn ich wirklich ein Ziel habe, fahre ich auch mal mehr. Im Moment sind die Berge mein Thema – die komme ich inzwischen schon besser hoch. Einfach weil ich muss, hier in Bayern.

Welche Veranstaltungen reizen dich?
Ich finde Langstrecke ziemlich cool und 24-Stunden-Rennen. Da bin ich schon mal eines gefahren, in Kelheim in meiner Heimat Niederbayern. Und eigentlich war ich schon überzeugt davon, dass ich sowas nie wieder machen werde.

Wie kommt’s?
Ich bin das Rennen viel zu schnell angegangen, weil ich mich von den schnellen Menschen so mitreißen lassen habe, und ich bin die ersten 150 Kilometer mit einem 27er-Schnitt gerast, was mich natürlich irgendwann total gekillt hat. Ich habe nur eineinhalb Stunden geschlafen und war später dann auch sehr langsam, aber insgesamt hat mich das im Ergebnis relativ weit nach vorne gebracht, weil die anderen etwas mehr geschlafen haben. Es war eine tolle Erfahrung.

Welche Tipps hast du für alle, die das auch mal probieren wollen?
In der Vorbereitung einfach mal längere Strecken zu fahren und schauen, dass man gut auf seinem Rad sitzt und mit den Klamotten zurechtkommt. Das war bei meiner Radhose bei diesem Rennen nämlich leider nicht der Fall. Ansonsten: Ruhe bewahren, es ruhig angehen lassen.

Du hast außerdem einen C-Trainer-Schein. Könntest du mich für den Ötztaler coachen?
Theoretisch ja. Aber ich mache es in erster Linie für meinen Verein in Passau und besuche dafür auch regelmäßig Lehrgänge. Das finde ich sehr spannend und interessant. Leider hat sich an den Inhalten und Strukturen in den letzten Jahrzehnten kaum etwas geändert. Ich bin dort meistens auch die einzige Frau. Was zum Beispiel aber den Vorteil hat, dass ich in der Jugendherberge, in der wir die Fortbildungen haben, ein Einzelzimmer bekomme, während die Männer sich zu sechst in den Schlafsaal quetschen müssen.

Hast du schon Blogbeiträge für die nächste Zeit geplant?
Tatsächlich habe ich ungefähr 140 Textskizzen in meinem Entwürfeordner. Ich bin ein bisschen unstrukturiert und poste mal vier Artikel schnell hintereinander und dann ein halbes Jahr gar nichts. Das könnte man vielleicht noch optimieren, aber ich schreibe, wie ich Zeit habe und brauche dafür einen freien Kopf. Es ist mein Hobby und macht mir Spaß und so klappt das dann ganz prima. Ich glaube, sobald ich ein festes Schema anwenden würde, wird es unentspannt. 

Die Frage aller Fragen: Was bedeutet Radfahren für dich?
Freiheit, auch wenn das pathetisch klingt. Und auch ein bisschen Heimat, weil es einfach schon so lang ein Teil meines Lebens ist.

Zum Weiterlesen und Nachfahren
Carolyns Blog
Carolyns Tour-Tipp auf komoot